HOTEL ARNOLD

Ein Gespensterfilm

Drehbuch für einen Kurzfilm von Susanne Quester
(16mm, Farbe, 15 min.)
2. Fassung vom 29. Januar 2008

1. Außen/Nacht
Die Eingangstür eines Hotels von außen.
Über der Glastüre steht in weißen Leuchtbuchstaben “Hotel Arnold”. Der Vorraum ist nur spärlich beleuchtet durch eine goldene Lampe auf der Rezeptionstheke. Direkt unter der Lampe steht eine goldene Glückskatze, die unablässig winkt, und hinter ihr ein leuchtender Globus.
Über den Leuchtbuchstaben erscheint der Untertitel: ein Gespensterfilm

2. Innen/Nacht
Ein Hotelzimmer im Dunkeln.
Im Bett liegen zwei Männer. Der eine ist sehr dick. Er liegt auf dem Rücken und schnarcht. Der andere ist fast auf die Bettkante gedrängt. Sein Kopf liegt auf den zusammengefalteten Händen. Er hat die Augen offen und sieht genervt aus. Es ist das Gespenst.

3. Innen/Tag
Der Speisesaal zur Frühstückszeit.
Das Gespenst sitzt etwas abseits an der Wand. Der Tisch ist gedeckt. Es nippt an seiner Kaffeetasse und sieht sich aufmerksam im Raum um. Schließlich steht es auf und geht zum Frühstücksbuffet, das es sehr sorgfältig inspiziert.
Der Dicke kommt herein und setzt sich an den Platz, an dem das Gespenst gesessen hat. Er schenkt Kaffee in die Tasse, die das Gespenst vorher benutzt hat und trinkt gierig.
Das Gespenst kommt mit einem belegten Teller zurück. Es stutzt kurz, besinnt sich aber und setzt sich an einen anderen Tisch.

4a. Innen/Tag
Rezeption
Der Dicke steht mit seinem Koffer und seinem Mantel an der Rezeptionstheke und bezahlt. Durch die Scheibe der Speisezimmertür sieht man das Gespenst, das den Vorgang beobachtet.

4b. Innen/Tag
Speisesaal
Das Gespenst freut sich. Es stellt sein Geschirr sehr ordentlich zusammen. Es steht auf und rückt den Stuhl zurecht. Als die Kamera zurück auf den Tisch schwenkt, ist sein Gedeck nicht mehr da.

5. Innen/Tag
Im Hotelzimmer.
Das Zimmer ist wieder aufgeräumt.
Das Gespenst sitzt zufrieden auf dem Sessel und sieht sich im Zimmer um.
Die Tür geht auf und eine schöne Frau kurz nach 40 kommt hektisch und mit Gepäck beladen hereingeschneit.
Sie wirft ihren Mantel aufs Bett und beginnt, ihre Sachen wild im Zimmer zu verteilen. Sie bemerkt das Gespenst nicht, das immer noch auf dem Sessel sitzt und ihr interessiert zusieht.
Die Frau beginnt, sich auszuziehen.
Das Gespenst dreht verlegen den Kopf weg.

6. Innen/Tag
Im Badezimmer.
Die Frau steht vor dem Spiegel und schminkt sich. Sie hat sich ein schönes Kleid angezogen und wirkt aufgeregt.
Das Gespenst steckt den Kopf zur Badezimmertüre herein.
Die Frau bemerkt es nicht.
Als sie das Bad verläßt, weicht das Gespenst schnell zur Seite. Sie wäre aber auch durch ihn durchgegangen.

7. Innen/Nacht
Im Speisesaal.
Der Raum ist nur spärlich besetzt.
Das Gespenst sitzt wieder auf seinem Platz an der Wand. Vor ihm steht ein Glas. Es trinkt aber nicht.
Drei Tische weiter sitzen drei Bauarbeiter, die laut lachend trinken. Eigentlich sind nur zwei von ihnen laut und Bauarbeiter. Der Dritte ist ein schöner dunkelhaariger junger Mann. Zwar wippt er mit, wenn die anderen lachen, sagt aber nichts. Es ist der junge Geist.

8. Innen/Nacht
Im Hotelzimmer.
Das Gespenst liegt bequem im Bett. Auf dem Radiowecker sieht man, daß es schon 2 Uhr ist. Die Frau kommt herein. Sie legt ihre Sachen ab und verschwindet im Bad. Das Gespenst schaut in Richtung der offenen Badezimmertür, aus der Badezimmergeräusche kommen.
Erst als die Frau in einem weißen Nachthemd auf das Bett zusteuert, richtet das Gespenst sich auf. Die Frau steigt ins Bett, das Gespenst steht auf.
Die Frau wirkt sehr glücklich.
Das Gespenst bleibt neben dem Bett stehen und sieht sie an.
Sie löscht das Licht.

9. Innen/Nacht
Auf dem Gang.
Das Gepenst läuft den dunklen Gang entlang.
Eine Zimmertüre steht einen Spalt weit offen. Es ist das Zimmer der Bauarbeiter. Sie sitzen auf zwei Stühlen und trinken die Biere der Minibar. Der junge Geist hat keinen Platz mehr bei ihnen gefunden und steht an die Bettkante gelehnt. Das Gespenst steckt den Kopf zur Türe herein.
Der junge Geist dreht den Kopf nach ihm um.
Die Bauarbeiter bemerken nichts und trinken laut lachend weiter.

10. Innen/Tag
Im Hotelzimmer.
Das Gespenst sitzt auf dem Sessel im Zimmer. Das Bett wurde noch nicht gemacht, die Sachen der Frau liegen überall verteilt herum. Das Gespenst streicht gedankenverloren mit der Hand über die Dinge, die auf dem Tisch liegen. Als er das Handy berührt, piepst und vibriert es. Das Gespenst zieht verschreckt die Hand weg.
Die Tür geht auf und die Frau kommt herein.
Sie geht zum Tisch und liest die Nachricht auf dem Handy. Sie scheint schlecht zu sein, auf jeden Fall sinkt sie traurig auf den Sessel, auf dem das Gespenst sitzt, das gerade noch zur Seite springen kann.
Unbeholfen sucht er nach einer Möglichkeit, tröstend auf sie einzuwirken. Schließlich streicht er ihr über den Kopf. Sie beginnt laut zu weinen. Das Gespenst weicht erschrocken zurück.

12. Innen/Tag
Auf dem Gang.
Das Gespenst klopft verzweifelt an die Tür der Bauarbeiter.
Es dauert ein bißchen, dann öffnet der junge Geist.
Er sieht den Besucher entgeistert an und freut sich überhaupt nicht.
Das Gespenst winkt dem jungen Geist, ihm zu folgen.
Der schüttelt den Kopf und macht die Tür wieder zu.
Das Gespenst bleibt enttäuscht vor der Tür stehen.
Schließlich geht es wieder.

13. Innen/Tag
Im Speisesaal.
Eine Gruppe von sechs sehr alten Männern sitzt an einem großen, quadratischen Tisch am Ende des Raumes und hält Kaffeekränzchen. Es sind die Pfarrer der umliegenden Dörfer.
Das Gespenst tritt heran und hört dem Gespräch zu. Sie sprechen über das Hotel, über Gott und über das Leben nach dem Tode.
Nach einer Weile wendet das Gespenst sich zum Gehen. Als es am Flügel vorbeikommt, der gleich neben dem Tisch der Pfarrer und offen steht, drückt es eine Taste.
Es macht “pling”.
Einer der Pfarrer schaut irritiert in Richtung des Klaviers. Die anderen reden einfach weiter.

14. Außen/Nacht
Die Eingangstüre des Hotels.
Immer noch winkt die Glückskatze.
Durch die Glasscheibe der Speisesaaltüre sieht man, dass Licht brennt. Über den Leuchtbuchstaben erscheinen die Titel des Abspanns. Irgendwer spielt nicht so gut, aber mit viel Gefühl Rachmaninow.

ENDE

©Susanne Quester, 2008